Wintergärten sind nicht kostenlos

23. Juli 2008 von Rechtsanwalt Florian Finkenzeller

Zu dieser Warnung veranlasst ein aktueller Fall aus der Praxis: Ein Mandant ist Eigentümer eines Hauses. Er wird unaufgefordert angerufen. Am anderen Ende der Leitung wird vorgegeben, man suche sog. “Lead-User” für eine Firma, die Wintergärten baut. Die Firma würde den Wintergarten am Haus des “Lead-Users” anbauen. Dieser müsse diesen dafür potentiellen Kunden des Unternehmens präsentieren und zugänglich machen. Ob denn nicht jemand vorbeikommen und dieses Modell erklären dürfe. Der Mandant ist arglos und gewillt, sich die Sache mal anzuhören. Wegschicken kann man den Vertreter ja immer noch.

Es kam, wie es kommen mußte: Der Vertreter tat sein Werk und pries das Angebot blumenreich. Beim Mandanten kam an, dass ihm die vertretene Firma einen Wintergarten kostenlos bauen würde und er diesen lediglich pflegen und für andere Interessenten zugänglich machen müßte. Die Firma würde den Wintergarten aus entsprechenden Provisionen für Interessenten und über die dort geworbenen Vertragsabschlüsse refinanzieren.

Ein solches Angebot erhält man nicht zweimal, der Mandant schlug also freudig ein. Er unterzeichnete einen “Kooperationsvertrag”, einen “Garantievertrag” und einen “Werk-/Kaufvertrag”.

Die Sache hat natürlich mehrere kleine und große Haken: Keineswegs wird der Wintergarten kostenlos angebaut. Vielmehr hat der geworbene “Lead-User” selbst den nicht gerade günstigen Kaufpreis von mehr als 50.000,00 € selber zu finanzieren und dem Unternehmen hinzublättern. Diese Finanzierung soll sich dann über Provisionen für in diesem Wintergarten geworbene Interessenten und Neukunden, sowie über ein monatliches Fixum von 600,00 € selbst tragen. Auf dem “Garantievertrag” – der wohl kaum mehr garantiert als das Fixum – findet sich dazu eine Beispielrechnung, die mit erstaunlichen Abschlußzahlen hantiert und eine jährliche Auszahlungssumme an den “Lead-User” in Höhe von mehr als 14.000,00 € suggeriert. Es erscheint zweifelhaft, ob solche Zahlen in der Realität – insbesondere im Falle des Mandanten auf dem platten Land – auch nur annähernd erreicht werden können, wenn die Sache nicht hauptberuflich betrieben wird.

Wobei diese Art der Refinanzierung natürlich auch auf dem Papier nur funktionieren kann, wenn das Unternehmen nicht nach wenigen Jahren in die Insolvenz geht. Denn dann bleibt dem “Lead-User” nicht nur sein Wintergarten – sondern auch der Kredit mit dem er diesen finanziert hat. Von Fixum oder Provisionen kann er dann nur träumen.

Zum Glück wurde im konkreten Fall der Mandant stutzig, als er für den “kostenlosen” Wintergarten plötzlich einen Kredit aufnehmen sollte. Statt sich ins Unglück zu stürzen, indem er noch eine weitere Unterschrift unter einen Darlehensvertrag setzte, machte er das aus seiner Sicht einzig Richtige in dieser Situation: Er ging zu seinem Anwalt.

Nachtrag: Hinsichtlich der hier angesprochenen Firma Exclusiv Studio GmbH hat auch das Magazin Plusminus der ARD am 28.10.2008 berichtet.

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